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Der Heimkehrer

Sturm und Drang

Raus in die Welt sollte es gehen. Größer, lebhafter, internationaler. Einmal Blut geleckt, schien mein Drang nach Erfahrungen in der Ferne und Großstadtleben unstillbar.

Oberpfalz

Zum Auftakt lockte die nördlichste Stadt Italiens, Regensburg – immerhin! So naheliegend das BWL-Studium beruflich war, umso weiter weg sollte es mich geografisch bringen. Nach ersten alpinen Touren auf dem Mountainbike im heimischen Chiemgau war nun ein rostiges Citybike meine erste Wahl – einmal Hochschule und zurück, Gänge wenige und Fluktuation hoch. Der Kaffee war Lern-Elixier und kam meist aus der Dose in Form von Eiskaffee.

Upper West Side

Größer, lebhafter, internationaler sollte es sein? Es war an der Zeit für etwas Großes – den Big Apple! Als Praktikant in eine neue Welt, ab nach New Amsterdam, das heutige New York City. Ich folgte den Holländern, eigentlich eine Fahrradnation, aber Biken in Manhattan: Suizid. Und der Filterkaffee in dortigen Bürotürmen: Plempe. Ein marginales Upgrade nach meinen frühen Anfängen mit Instantkaffee. Von den an jeder Ecke ansässigen Kaffee-Ketten halte ich bis heute wenig. Ich schmiere lieber die Kette an meinem Bike. Abgesehen davon, geile Stadt!

Madridista

Goodbye Hektik, hola Siesta! Erasmus von Rotterdam (schon wieder ein Holländer!) verhalf mir für ein Semester nach Madrid im Herzen Spaniens. Zugegeben, Fiesta klingt nicht nur fast wie Siesta, sie lassen sich auch blendend miteinander kombinieren. Mit Barista und Ciclista tat ich mich dagegen weitaus schwerer. Gebrühter Kaffee wurde meist durch kalte Cerveza oder Vino tinto ersetzt. Radfahren hatte dank brütender Hitze und motorisiert-südländischem Temperament kaum eine Daseinsberechtigung. Chapó, mediterrane Lebensfreude!

Hochdeutsch

Die wohl größte Umstellung. Schluss mit Lustig: der Ernst des Lebens beginnt! Meinem Bauchgefühl gefolgt geht’s zurück zu deutschen Tugenden. Als Konsequenz hieß es wieder einmal umziehen ins Unbekannte, vom Tapas-Zentrum Spaniens in die Apfelwein-Metropole Deutschlands. Neuer Arbeitsplatz: gefühlt 735. Stock im Bankenviertel in Frankfurt. Neuer Wohnort: Altbau-WG im alternativen Osten der Stadt. Neuer Lebensstil: Anzugträger, Tradition und Anzugträger.
Auf dem Citybike durch die Innenstadt, ein geliehenes Mountainbike für das nahegelegene Taunusgebirge. Dazu hippe Cafés und urige Apfelweinkneipen im ständigen Wechsel, ein wenig wie Tag und Nacht. Eine Stadt der zwei Gesichter, eine „gude“ Stadt.

British English

Doch der Reiz auf Neues war nicht verpufft. Gepaart mit Spontanität packte ich die Gelegenheit beim Schopf. Zu meinem täglichen Arbeitsweg wurde die London Underground, aus Apfelweinwirtschaften wurde englische Pubkultur – und Ich zum Auslandsdeutschen.
Mein Leben hatte Fahrt aufgenommen. Es war größer, lebhafter, internationaler. Dauerhaft.

Kaffeebohnen washed und Sonnengetrocknet

Vom Zahlenjongleur zum Bohnenconnaisseur

Was kann ich eigentlich?

Ich sei „der typische Realschüler“ – Zitat Klassenleitung. Also Durchschnitt. Der Schulweg war somit vorbestimmt.
Ich sei zahlenaffin, hätte eine schnelle Auffassungsgabe und wäre ein motivierter Teamplayer. Der Vernunft gefolgt, war das Berufsbild mitbestimmt. Man gab mir sogar gute Referenzen, Geld, Beförderungen – und noch mehr Geld! Aber ist das alles? Ich hatte mir eine Karriere geschaffen, in die mein Können passt, doch was war mit meiner Begeisterung? Schließlich plante ich nicht nur beruflich Bankgewinne, sondern eigentlich viel lieber privat Radtouren und Reisen in Excel-Tabellen.
Will ich etwa mit mehr als nur Zahlen jonglieren?

Was begeistert mich eigentlich?

Es gab unzählige Möglichkeiten, doch mein Bewegungsdrang trieb mich immer häufiger raus aus der Stadt. So groß London auch sein mag, ich fühlte mich öfters eingeengt. Die Sehnsucht nach Freiheit und der Heimat wuchs. Nach vier Jahren Londoner Rush Hour der erste Versuch auszubrechen.

Biken

Linksverkehr! Auf dem geliehenen Santander Bike ging es am Wochenende durchs Wohnviertel. Am nächsten Tag damit zur Arbeit, auf separaten Cycle Highways, quasi von Tür zu Tür. Es sollte nicht bei dem einen Mal bleiben.
Ich wollte mehr – und kaufte ein „Adventure Road Bike“. Der Name war nicht nur Programm, sondern Lebensstil. Englische Steilküsten, schottische Highlands, walisische Nationalparks, ob Asphalt oder Schotter. Ich spürte die Beschleunigung, aber fühlte Entschleunigung.
Ein Gefühl der Freiheit.

Brühen

Freiheit heißt auch reisen zu können. Der Reiseführer war gekauft, der Rucksack minimalistisch gepackt und das Reiseziel exotisch. Wozu? Zweieinhalb Wochen Backpacking. Wo? Kolumbien. Warum? Neugierde, die Sprache und Kaffee. Unzählige Flat Whites in trendigen Cafés im Londoner East End weckten mein Interesse. Woher kommt der Kaffee? Wie wird Kaffee angebaut? Wer steckt hinter dem Kaffee? Mit kleinem Gepäck eingereist, kam ich mit erweitertem Bewusstsein für Kaffegenuss und Kaffeekultur zurück. Es sollte nicht bei einem Besuch bleiben. Ich fand dort all das, Kaffeeplantagen, Kaffeefincas – und Lebensfreude.
Ein Geschmack der Lebenslust.

Die Heimkehr

Die Reise geht erst los…

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